Anja Schulz hat geschrieben:
Airedale-Terrier und Schutzhundausbildung - wie paßt es zusammen? Habt Ihr da schon mal Erfahrungen gemacht?
Ich finde, seit der Hund meiner Bekannten als Schutzhund ausgebildet wird, ist er total aggressiv geworden. Der Kerl ist gerade mal 1 Jahr alt und im Haushalt befindet sich ein 2-jähriges Mädchen - ich habe Angst, dass da etwas passieren kann.
Ich hole mal dieses alte Zitat vor, weil ich da Erfahrung habe. Mein AT macht auch Schutzhundesport, hat einen wahnsinnigen Spass dabei und zeigt ansprechende Leistung, was uns von Nicht-AT-Leuten bestätigt wird.
Kinder habe ich keine, aber es sind von Säugling bis zum Teenie welche in der Familie, mit denen mein AT Kontakt hat. Nachbarskinder gibt es vom Kleinkind bis größer ebenfalls.
Das Verhalten meines Hundes hat sich sowohl bei Kindern als auch Artgenossen nicht verändert. Er ist Kindern gegenüber neutral freundlich bis desinteressiert eingestellt. Da er wie ein großes Plüschtier aussieht, wird er auch schon mal plötzlich von hinten gestreichelt. Natürlich ohne dass vorher gefragt wurde. Als er 8 Monate alt war, umarmte ihn ein Kind als er brav neben mir saß und wartete. Ebenfalls ungefragt. Er blieb stoisch sitzen bis das Kind weg war, weil ich ihm und seiner Mutter eine Gardinenpredigt hielt. Da war er noch nicht im Schutzdienst unterwegs.
Letztes Jahr hat er sich einen St. Martinszug mit massig Kindern angeschaut. Da war er schon knapp 2 Jahre im Training. Diesmal wurde er von 2 Mädchen im Grundschulalter "überfallen". Auch dabei blieb er stoisch gelassen. Für die Mädels ebenfalls Gardinenpredigt. Säuglinge werden freundlich vorsichtig beschnuffelt. Kinder, die gerade laufen gelernt haben, werden von ihm auch vorsichtig beschnuffelt und mal schnell ein Keks aus der Hand geschlängelt. Aber nur mit der Zunge, Zähne werden dabei nicht eingesetzt. An größere, standfeste Kinder lehnt er sich auch schon mal an, wenn er gestreichelt wird. Die Nase ist überall, aber die Besteckschublade grundsätzlich geschlossen. Flitzen Kinder beim Schutzdienst über den Vorplatz, interessiert er sich keinen Deut für sie. Er ist nur auf den Platz und den Helfer fixiert.
Artgenossen, die kleiner als er sind, irgendwie schwächer wirken oder auch körperlich behindert sind, werden von ihm vorsichtig und freundlich behandelt. Er tritt auf keinen Kleinhund, rempelt und pöbelt nicht. Egal wie groß oder klein ein Hund ist, wenn er nichts von ihm wissen will und ihn anmault, dann geht er. Auf dem Platz ist er ein toller Trainigspartner für unsichere Hunde oder auch für bellende, hüpfende Junghunde. Ihn interessiert das alles nicht, er will dann nur mit mir arbeiten. Geht ihm allerdings ein Hund massiv auf den Keks und überschreitet die Grenzen des guten Hundegeschmacks massiv, setzt es auch mal was. Das ist aber nur ein kurzer Zurechtweiser.
Im Umgang mit mir kann er schon mal grantig werden, wenn wir uns nicht ganz einig sind. Er ist dabei aber nie falsch oder reagiert über. Wenn wir zusammen rumkaspern ist er sehr grobmotorisch. Die von Welpe an geübte Beißhemmung kennt er und die hat sich auch durch den Schutzdienst nicht verändert. Auch während des Schutzdienstes, wenn er hoch im Trieb ist, kann ich eine Pfote kontrollieren oder anderweitig an ihm rumfummeln. Das interessiert ihn nicht die Bohne. Er ist absolut klar im Kopf und ich achte darauf, dass es keine Fehlverknüpfungen gibt.
Einen gewissen Schutztrieb hatte er auch schon vor Beginn des Trainings. Dieser hat sich durch das Training nicht verändert und daran drehe ich auch nicht. So wie es ist, ist es gut. Nicht überdreht, aber auch nicht "scheintot".
Ich schätze an Terriern allgemein, dass es selbständige Individuen sind, die bis ins hohe Alter agil und immer zu einem Schabernack aufgelegt sind. Diese Selbständigkeit wird gerne mal als Sturheit oder auch schwer erziehbar ausgelegt. Ein richtiger Terrier lässt sich nicht einfach beeindrucken und geht auch dickschädelig den Weg, den er für richtig erachtet. Mit besonderer Härte braucht man ihnen nicht kommen, aber man muss einen langen Atem haben und ihnen zeigen, dass man der größere Sturkopf ist. Es wird auch gerne mehrfach hinterfragt, ob man ein Verbot wirklich ernst meint oder sich doch noch mal anders überlegt. Ein Nein kann kann bis ans Lebensende behalten werden, die Wahrscheinlichkeit, dass nachgefragt wird, bleibt jedoch wahrscheinlicher. Je älter er wird desto weniger fragt er nach.
Im Regelfalle ist ein Terrier gut zu motivieren und kann entsprechend zur Mitarbeit aufgefordert werden. Wenn es sich in seinen Augen lohnt, dann ist er vorne mit dabei. Selbst Individuen, die wenig gefallsüchtig sind, bekommt man so auf seine Seite. Ein wesensfester Terrier ist das beste Mittel gegen Lampenfieber auf Prüfungen. Er bleibt ein wenig albern und sehr motiviert, wenn man einen guten Grundstein gelegt hat. Manchmal frage ich mich, ob sie nicht versuchen Zuschauer und Richter mit ihrem drahtigen Charme um die Pfoten zu wickeln.
Ode an den AT? Eher eine Lobpreisung auf wesensfeste Terrier im allgemeinen. Hunde für bodenständige Menschen, die gerne Lachen, das Leben und sich selber nicht allzu ernst nehmen und einen verlässlichen Hundekumpel suchen, der mit ihnen durch dick und dünn geht, der seinen eigenen Kopf behält und auch schon mal mit intelligentem Ungehorsam punktet.
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Ich will nicht alles besser wissen, ich weiß es einfach.
Und wenn ich was nicht weiß, weil ich nicht allwissend bin,
dann steht das dabei.

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Frau Werwolf's Hexenkessel